Die Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 9 und 10 hatten am letzten Mittwoch die Möglichkeit im Teo-Otto Theater Remscheid das Gastspiel des Jungen Theaters Bonn mit dem Theaterstück „Die Welle“ zu sehen.
Sich auf der Bühne bewegen, in eine andere Person zu schlüpfen und diese vor Publikum zu verkörpern, erfordert viel Mut und Übung. Beim Jungen Theater Bonn handelt es sich um engagierte Jugendliche, deren Leidenschaft das Schauspiel ist. Sie opfern jede Ferienzeit und jede Minute neben der Schule, um Präsenz auf der Bühne zu üben. Doch nicht nur die Bühnenarbeit gehört dazu, auch die Auswahl der Theaterstücke, die Umarbeitung einer Textvorlage und das Lernen der Texte.


JTB-Intendant Moritz Seibert hat mit dem Nachwuchsensemble eine neue Bühnenbearbeitung von „der Welle“ entwickelt. Das Stück, das auf dem gleichnamigen Jugendroman von Morten Rhue (1981) beruht, wurde von ihnen modernisiert. Die Geschichte wurde von den USA nach Deutschland verlegt und an die Gegenwart angepasst, um die Zuschauer auf die Brisanz des Textes und auf die immer noch vorhandene Aktualität hinzuweisen. Die jugendlichen Schauspieler konnten somit viele Impulse aus ihrem eigenen Leben miteinbringen und das Stück authentischer darstellen.
Trotz des Remscheider Busstreikes kamen viele Schülerinnen und Schüler ASRS, um das Theaterstück zu sehen. Inhaltlich ging es um Ben Ross, der Lehrer in dem Stück, und seine Schüler und Schülerinnen, die ein Experiment wagen. Anlass war der im Geschichtsunterricht angesehene Film über den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust. Viele der Jugendlichen waren sehr betroffen, einige verstört durch die gesehenen Bilder. Für sie war die Naziherrschaft längst erledigt, der Holocaust und die Konzentrationslager längst Geschichte. Die Fragen, die sich ihnen stellten war, wie konnte dies geschehen und kann es jemals wieder eine Diktatur wie diese geben. Ben Ross nahm die Herausforderung an und versuchte in einem sehr außergewöhnlichen Projekt, den Schülerinnen und Schülern deutlich zu machen, dass Menschen sehr leicht manipulier- und lenkbar sind.
Auf einer minimalistisch eingerichteten in kaltem blauen Licht getauchten Bühne bewegten sich die jugendlichen Schauspieler und Schauspielerinnen in ihren Rollen. Die Gruppe um Ben Ross sollte am eigenen Leib erleben wie Parolen und faschistoide Ideen eine Gruppe zusammenführen, gleichzeitig aber auch Menschen spalten und ausgrenzen können.

Laura ist diejenige, die sich unwohl bei den Parolen „Macht durch Gemeinschaft“, „Macht durch Handeln“ und „Macht durch Disziplin“ fühlt. Während andere die Veränderung positiv betrachten und in ihr aufgehen und sich das erste Mal als Teil eines Ganzes fühlen, begreift sie wie trügerisch diese Auffassung ist. Als ihr homosexueller Bruder und sein Freund verprügelt und beschimpft werden und ihr eigener Freund, gefangen von den Parolen der Welle, ihr gegenüber Gewalt ausübt, begreifen auch die Zuschauer, dass Laura nicht nur eine Querulantin ist, sondern die Bewegung von Herrn Ross zu weit gegangen ist. Diese dramatischen Szenen werden unterlegt mit Musik und lassen die Zuschauer erschaudern. Die Wucht der Bewegung wird noch deutlicher, als Herr Ross die Welle auflösen möchte, Eric, der ehemalige Außenseiter, dies aber mit einer Schreckschusspistole verhindern will.

Qasim (9e) ist beeindruckt: „Ich finde es wirklich krass, wie schnell soetwas gehen kann und wie einfach Menschen durch einen fragwürdigen Anführer manipuliert werden können!“ Das Nachwuchsensemble des JTB hat bei ihren gleichaltrigen Zuschauern der ASRS einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Cecilia (9e) bewundert die Leistung der Jugendlichen, Max (9e) hingegen war sehr berührt von dem Stück: „Wirklich starke Message“, findet er.
Text: Claudia Bulut
Fotocopyright, Stefan Mager und Thomas Kölsch
Szene 1: (v.l.) Aurel Klug, Katharina Wiemer, Hannah Oellers, Christian Steinborn, Louis Bungartz, Lena Appel, Henning Gille
Szene 7: (v.l.) Christian Steinborn, Alva Kaftan, Hannah Oellers, Louis Bungartz, Lena Appel, Martin Wald, Aurel Klug, Julius Busch
Szene 10A: (v.l.) Hannah Oellers, Lena Appel, Julius Busch, Aurel Klug
Szene 22 (SM): (v.l.) Christian Steinborn, Martin Wald, Aurel Klug, Louis Bungartz, Julius Busch, Benedict Zalfen, Hannah Oellers, Alva Kaftan
Szene 22 (TK): (v.l.) Christian Steinborn, Martin Wald, Aurel Klug, Louis Bungartz, Julius Busch, Benedict Zalfen, Hannah Oellers, Alva Kaftan
Szene 28: (v.l.) Hannah Oellers (Amélie), Louis Bungartz (Marc), Axel Becker (Direktor), vorne Martin Wald (Robert) und Christian Steinborn (Ben Ross), dahinter stehend Henning Gille (Tim) und Jakob Impekoven (Max), Aurel Klug (David) und Lena Appel (Laura)